Sonntag, 1. November 2009

Museumsmarathon, Karriereaussichten, Philly und Halloween

Bis Mitte Oktober dauerte der Elternbesuch. Schön war‘s. Das zweite Wochenende, das wir gemeinsam verbringen konnten, zeigte sich New York von seiner verregneten Seite. Das hieß: Museumsmarathon. Freitag ging es ins Guggenheim, wo man nicht nur die Kunst, sondern auch die Kultur bewundern kann. Gerade sind dort Werke von Kandinsky ausgestellt. Man wandert in der Schnecke das Leben des Künstlers ab und kann tatsächlich sehen, wie stark sich seine Malerei verändert hat und wie sich die historischen Ereignisse auf ihn ausgewirkt haben. Tolle Bilder. In der Dauerausstellung sind dann auch noch einige Schätzchen von Picasso, Monet, Manet, Degas, etc. zu finden. Am Abend gingen wir bewaffnet mit einem riiieeesigen Eimer Popcorn und 2 großen Diet Cokes ins Kino und haben uns Bright Star angeguckt, ein Film über das Leben und Sterben von John Keats (schön traurig).

Samstag stand der Einkauf an: Macy’s das Superkaufhaus. Meine Mama hat ein schickes Kleid gefunden und meinem Papa wurde (gegen seinen Willen) eine Jeans aufgeschwatzt, denn die sind hier nun einfach mal billig.

Abends auf in die Oper – Tosca. Es ist schon ein interessantes Erlebnis, sich die Leute anzuschauen, die Technik zu bewundern (jeder hat sein eigenes kleines Fenster im Vordersitz, wo man die Übersetzung mitlesen kann) und dann auch noch den erstklassigen Sängern dieser Welt zu lauschen, wie sie sich in Intrigen verstricken und (wie bei jeder „richtigen“ Oper) am Ende alle sterben.


Sonntag war das Wetter leider immer noch nicht besser. Daher machten besuchten wir das Metropolitan Museum of Art. Hier ist so ziemlich alles zusammengesammelt, was sich als Kunst bezeichnen lässt. Ägyptische Sarkophage, römische Götterstatuen, Bücher aus dem Mittelalter, koreanische Kalligraphie und die Maler sämtlicher Epochen von Rembrandt bis Pollock. Das ganze Museum anzuschauen würde wahrscheinlich Wochen in Anspruch nehmen. Daher beschränkten wir uns auf die Maler des 20. Und 21. Jahrhunderts und die kleine Sonderausstellung zu Johannes Vermeer.

Am Montag gab es noch ein Abschiedsessen in einem sehr guten vegetarischen Restaurant gleich bei mir in der Nähe und dann war der Besuch auch schon wieder um.

Letzten Donnerstag war bei uns ein Treffen für die DAAD Praktikanten in internationalen Organisationen (also UN, Weltbank, WHO, etc.). Es kamen Alumni, Leute, die bei der UN arbeiten, ein Typ von der Weltbank und Mitarbeiter des Konsulats und der Botschafter der Ständigen Vertretung bei der UN. Lauter wichtige Leute, wenn man eine internationale Karriere anstrebt. Ich muss allerdings sagen, dass das alles auf mich mal wieder eher abschreckend wirkte. Man wechselt alle 3 oder 4 Jahre den Arbeitsplatz, kann mal in Kasachstan landen, mal in Washington, muss sowieso total flexibel sein und mindestens 3 Sprachen fließend beherrschen. Klingt ja alles wirklich toll, aber eigentlich will ich nicht in Kasachstan arbeiten und meine Freunde auch mal länger als 3 Jahre behalten. Interessant war es auf jeden Fall und außerdem wurde ich als Mitorganisatorin abends noch zum Essen eingeladen.

Am Freitag führte uns (meine Kollegin Jane und mich) das Anwerben amerikanischer Studenten nach Philadelphia an die University of Pennsylvania. Auch ein netter Platz zum Studieren. Für die eifrigen career-fair-Teilnehmer werden immer Lunchpakete bereitgestellt. Da ich nun schon einige Unis besucht habe, kann ich sie aufgrund der Qualität der Lunchpakete ziemlich gut bewerten. Die Columbia mit dem offenen Buffet (3+), Yale (2), Hunter College mit leider zu wenig Auswahl und komischen Getränken (4) und jetzt die University of Pennsylvania (1-).

Nach der Messe machten wir uns nach Dowtown Philly auf, um die Liberty Bell zu begutachten und die Independence Hall. Außerdem wollte Jane, die anscheinend häufiger Gast in diversen New Yorker Nobel- Gourmet- und In-Restaurants ist, noch ins Marimoto, ein japanisches Restaurant der Spitzenklasse, in dem es in New York wohl unmöglich ist, einen Tisch zu reservieren. Meine Güte war das ein fancy Laden und ich war froh, dass ich eingeladen war. Danke Papa, dass du mir beigebracht hast mit Stäbchen zu essen, ansonsten wäre ich unangenehm aufgefallen. Mein vegetarisches Sushi war aber auch wirklich gut und Jane bekam eine Auswahl an diversem Fisch und Jakobsmuscheln. Dazu testeten wir uns durch 3 Sorten Sake, wonach ich auf der Rückfahrt im Bus gut schlafen konnte.




Eigentlich schon relativ fertig kam ich um 10 pm aus Philadelphia zurück, hatte Tina aber versprochen noch mit auf die Halloween Party ihres faculty clubs zu gehen. Also machte ich mich auf Richtung uptown. Die Party im Uniclub ging allerdings schon ihrem Ende zu als wir endlich ankamen und ich hatte mich schon ein bisschen gefreut, wieder nach Hause fahren zu können – aber keine Gnade: mit dem Taxi ging es in den Meatpacking District, wo wir zu dritt in einer Bar landeten, die als Beispiel für den Film Coyote Ugly hätte dienen können. Irgendwann gegen halb fünf war ich dann zu Hause und habe den gesamten Samstag im Halbschlaf verbracht.

Da ja aber gestern erst Halloween war, ich aber meine Partyenergie schon völlig aufgebraucht hatte, habe ich darauf verzichtet abends nochmal auszugehen, bin ich immerhin zur Halloween Parade gelaufen. Manche Leute hatten so unglaublich tolle Kostüme: Legomännchen, Schneewittchen, Außerirdische, Roboter, Transformer, Ali G – es war alles dabei. Die Stimmung war gut, wesentlich braver als unser Kölner Karneval, aber angenehm und der Umzug war auch super. Nur das Kamellewerfen hat mir gefehlt.

Montag, 12. Oktober 2009

Boston, Kultur und Nicht-Kultur und die Eltern zu Besuch

Das erste Oktoberwochenende ging es raus aus New York und rein in die nächste Großstadt. Aber mit seinen 600.000 Einwohnern wirkte Boston richtig beschaulich. Mit dem Chinatown-Bus fuhren wir die Küste entlang durch die herbstlich bunten Wälder Connecticuts nach Massachusetts (das kann ich immer noch nicht vernünftig aussprechen). Ich war mit Hala, Praktikantin bei der UAS7 (Kontaktbüro deutscher Fachhochschulen) und Anne, trainee bei der DZ Bank (für alle Finanzignoranten wie mich: Zentralbank der Volksbanken), unterwegs. Nachdem wir unser Zimmer inspiziert und für „Hmmm naja, gut, dass wir nur eine Nacht hier sind“ befunden hatten, fuhren wir nach Cambridge. Die Stadt mit der ältesten amerikanischen Universität – Harvard. Auf einer unofficial tour erfuhren wir, dass Al Gore und Tommy Lee Jones sich in ihrem freshman-year ein Zimmer geteilt haben, dass Oprah Winfrey mit mehr Limousinen angefahren kommt als der Dalai Lama und wir haben gesehen, wo das Fenster des Zimmers ist, in dem einst Matt Damon gewohnt hat. Aber für das Geld, das man hier zum Studieren bezahlt, würde ich auch einige Promis erwarten. Am Sonntag liefen wir den freedom trail ab, der an all den bedeutenden Orten der amerikanischen Revolution vorbeiführt: dort wurde die Boston Tea Party geplant, dort wackere Amerikaner von den bösen Engländern gemeuchelt und hier wohnte soundso, der die Unabhängigkeitserklärung unterschrieb. Erschöpft saßen wir dann nachmittags in einem urigen italienischem Café und mampften Cannoli (Teig gefüllt mit viel Sahnecreme).


Das TV Programm hier erfreut mich immer wieder mit neuen Sinnlosigkeiten. Ab und zu läuft auch tatsächlich mal ein Film, aber das meiste sind Shows wie „The biggest Loser“ (Ann Kathrin und mir aus DK bekannt), wobei viele sehr stämmige Amerikaner versuchen möglichst viele ihrer überflüssigen Pfunde loszuwerden. Außerdem läuft „America’s Next Topmodel“ in der 125. Staffel, und „Dancing with the Stars“ mit solchen Größen wie Aaron Carter (ich hatte den schon völlig verdrängt) oder Kelly Osborne. Die Abende daheim kann ich also auch genüsslich damit verbringen mir die Peinlichkeiten anderer Leute anzusehen und mich fremd zu schämen. Außerdem habe ich HBO, was bedeutet, ich kann auch werbepausenfrei Sex and the City gucken oder mal ein Filmchen von der Liste auswählen. Heute steht Gossip Girl auf meinem Fernsehprogramm. Superreiche Teenies, gerade der privaten High School entschlüpft, geben Geld aus, spinnen Intrigen und haben Affären. Aber eigentlich guck ichs ja nur, weil es in New York spielt und ich immer alles wiedererkenne ;-)

Ich setze natürlich auch mein Kulturprogramm eifrig fort. In der Philharmonie habe ich Gustav Mahler gelauscht, ich habe die Blue Man Group gesehen, wie sie wild auf Rohren rumtrommeln, war auf einer tollen Ballettveranstaltung im Bryant Park und letzten Freitag die West Side Story mit meinen Eltern, die gerade zu Besuch sind. „I like to be in America, ok for me in America, everything’s free in America – for a small fee in America.” Ohrwurm. (http://www.youtube.com/watch?v=1QS7wWzwak4)

Ein weiteres Kulturhighlight ist natürlich das Nachtleben. So einige Bars haben wir hier in der Lower East Side schon ausgemacht. Zuletzt waren wir auch mal in einer deutschen Kneipe – zum Oktoberfest, mit Weißbier, Schnitzeln und Brezeln. Aber der bisherige Höhepunkt war eine Bar am Samstag im Meatpacking District, das absolute In-Ausgeh-Viertel (da wohnte Samantha von Sex and the City). Wir waren sowas von underdressed – da konnten auch Kristinas High Heels nichts mehr retten. Also Minikleid, 14 cm Absätze, ein bisschen Glitzer und dezentes Make-up müssen schon sein, wenn man dort seinen Martini schlürft - und natürlich die obligatorische Clatsh Bag. Irgendwann tanzte dann eine Braut im Pailetten-Minikleid mit ihrer Freundin, während der Bräutigam in der Ecke mit seinen Kumpels gut einen wegtrank. Wir endeten dann in einem Irish Pub im Studentenviertel am Washington Square Park, wo wir erst mal ein Guiness auf den Schreck trinken mussten und die Karaoke nicht so aufgebrezelter, dafür umso betrunkenerer Studenten genießen konnten. Mein Favorit: Country Roads.

Ich ernähre mich hier in New York erstaunlich gesund, was vor allem daran liegt, das Süßigkeiten hier scheußlich schmecken. Pfui ich bah. Hershey’s Schokolade ist eklig und Gummibärchen schmecken sowieso nicht wie bei uns und sind außerdem teuer. Das heißt ich bin auf Nüsse und Trockenfrüchte umgestiegen. Gut für mich. Junk Food ist Gott sei Dank sehr fleischlastig und so bleibt mir nur ab und zu ein Nudelgericht oder Dumplings vom Chinesen. Ansonsten gibt’s Salat oder das organic food aus dem Whole Foods Market gleich nebenan. Was natürlich nicht so gesund und fettfrei ist, das sind die Cookies und Cupcakes, die ich mir dann doch ab und zu gönne.



Dieses Wochenende habe ich meine Eltern bespaßt und meine reiseführerischen Qualitäten unter Beweis gestellt. Brunch und dann ein Gewaltmarsch durch die Lower East Side und Chinatown zur City Hall und auf die Brooklyn Bridge, bis wir dann k.o. in einem schnuckligen Café in Soho gelandet sind. Sonntag fuhren wir rüber nach Williamsburg (Brooklyn), wo wir auch erst mal mit gebruncht haben und dann durch das chassidische Viertel liefen, in dem alles auf Hebräisch geschrieben ist und die Leute aufgeputzt zum Sonntagsspaziergang unterwegs waren. Die Männer mit den Löckchen unter dem Hut oder der Pelzkappe und Schaltüchern über den Jacken und die Frauen in Kleidern oder mit Rock (keine Hosen weit und breit). Alles sehr 50-er Jahre anmutend. Eine eigene kleine fremde Welt in der großen Metropole. Obwohl klein auch falsch ist, denn schließlich sind 15% der rund 3 Millionen Einwohner Brooklyns Juden.

Nach unserem Besuch in Williamsburg fuhren wir Richtung Prospect Park , weil wir eigentlich zum Greenwood Cemetary wollten, aber aufgehalten durch Kaffee und ein Teilchen, war dieser dann geschlossen als wir ankamen.

Montag, 28. September 2009

Zwischen high politics, higher education und ganz touristischem Sightseeing

Am vorletzten Wochenende habe ich das spätsommerlich warme Wetter genutzt und bin mit der Fähre zur Statue of Liberty und nach Ellis Island gefahren. Die französische Madame im Hafen, die angeblich aussieht wie die Mutter des Künstlers, ist schon beeindruckend. Wenn man es durch die flughafengleichen Sicherheitskontrollen geschafft hat, kann man bis zu ihren Füßen hinauf klettern und hat eine sehr schöne Aussicht auf Manhattan und all das Drumherum. Ellis Island ist ein sehr interessantes Museum, obwohl mir das Gegenstück, das Auswandererhaus in Bremerhaven noch besser gefallen hat. Aber es ist schon spannend zu sehen, wie die Leute hier ankamen, wie sie abgefertigt wurden, oder nach langwierigen Untersuchungen wieder nach Hause geschickt wurden. Dagegen ist die Prozedur am Flughafen wahrscheinlich ein Kinderspiel, obwohl ich mir nach dem ganzen Visadschungel ein Bild davon machen kann, wie arme Iren, Italiener, Russen und Chinesen verzweifelt vor diversen Bögen Papier gesessen haben müssen.

New York im Ausnahmezustand. Die UN General Assembly führte dazu, dass die ganze Stadt von der 34. Bis zur 50. Straße absolut lahmgelegt war und das Polizeiaufgebot erschreckend anstieg. Mein Weg zur Arbeit verlängerte sich um ganze 30 Minuten und manche kamen überhaupt nicht durch, da auch für Fußgänger die Blocks rund um die UNO weiträumig abgesperrt wurden. Wenn dann die dicken Limousinen mit Polizei davor und dahinter über die 1st Ave brausten, dann wusste man: Aha, wichtige Leute auf dem Weg zu wichtigen Reden, wobei sich gewisse Politiker ja wieder besonders positiv hervorgetan haben. Was soll man machen – ihnen die Teilnahme zu verweigern würde vielleicht nur zu mehr Unterstützung dieser Herren führen und immerhin wurde der Saal meist schnell leer, sobald sie ans Rednerpult traten. Jetzt geht das Ganze in Pittsburgh weiter und man kann gespannt sein, ob sich die Welt groß verändern wird. Ich bin da ja eher pessimistisch, aber man weiß ja nie.

"And now live on the web: Maren, who will tell you something about studying in Germany." So ungefähr began mein Auftritt im webinar des DAAD, an dem doch tatsächlich 40 Leute online teilnahmen. Und dann habe ich ein wenig drauflosgestottert, mich im Englischen eifrig verhaspelt und über die Vor- und Nachteile des Studierens an einer deutschen Hochschule referiert. Ob es so gut war…hmmm naja. Aber Amerikaner sind immer so schön positiv. „You were so great!“ „Thanks so much for stepping in last notice“ und in Yale war dann doch glatt einer, der sich meine Ode ans deutsche Hochschulsystem angehört hat und nicht gelangweilt eingeschlafen ist. Also wenn jetzt nicht hunderte eifriger Amerikaner nach Osnabrück strömen, dann weiß ich auch nicht.

Am Mittwoch, 23. September, war unser Betriebsausflug. Mit der Fähre ging es nach Staten Island und dann mit dem Bus ins Grüne. Kaum ist man aus der Stadt raus, kommt es einem gleich provinziell vor. Die Elektroleitungen über den Straßen, lauter dicke Amis in Trainingsanzügen (böse, ich weiß, aber es stimmt) und geschmacklose Häuser mit Säulen, Fachwerk, Türmchen und Golfrasen. Die Wanderung war trotzdem sehr nett (und sehr anstrengend, denn es war total schwül und ganze Geschwader von Mücken waren unterwegs) und wir haben uns alle nett unterhalten. Angekommen in Richmondtown hatten wir dann noch eine Führung durch „historische“ Gebäude. Es ist so niedlich, was hier alles so als historisch gilt und wie stolz die Leute dann drauf sind. „Dieses Schulgebäude ist schon 200 Jahre alt.“ – da lacht doch jeder Kölner der über die alte Römerstraße läuft.


Am Freitag, 25. September, stand Yale auf der Tagesordnung. Tempel der angloamerikanischen Bildungselite. Meine Güte ist das eine Uni. Wunderschöne Gebäude, alles sieht mehr nach Oxford und Cambridge aus als nach New Haven, die Speisesäle sind superschick, überall liegt die New York Times und die Studenten sitzen in den Innenhöfen zwischen den altehrwürdigen Gebäuden und lernen oder trinken Kaffee. Wir waren wegen der study abroad fair da und ich habe alles getan, mehr Yale-Studenten nach Deutschland zu locken. Schließlich ist es bei und auch schön und man muss für eine gute Ausbildung keine 100.000$ im Jahr bezahlen.

Gestern war ich auf einem Brunch, pünktlich um 12 zur Verkündung der vorläufigen Ergebnisse. der Bundestagswahlen. So ein Debakel. Mannmannmann. Ich sehe schwarz für Deutschland - im wahrsten Sinne des Wortes. Schwarzgelb - noch schlimmer. Jeder der einmal im Ausland war und gesehen hat, wie es anderswo aussieht, der weiß, dass wir es trotz all dem Meckern unglaublich gut haben. Aber wenn jetzt weiter fröhlich neoliberale Politik betrieben wird (jetzt klinge ich schon wie Professor Busch), dann haben wir ganz schnell Verhältnisse wie hier in den USA und jeder der genauer hinschaut, der möchte das so nicht haben. Ich meine, es ist schön hier, aber eine alleinerziehende Mutter nach 3 Wochen wieder im Job und die Hälfte des Gehalts geht für die daycare drauf, das kann es nicht sein. Und dann auch noch der Guido als Außenminister. Dazu kann ich nur sagen PEINLICH: http://www.youtube.com/watch?v=HSS7tEme8U0

Samstag, 19. September 2009

Making the city my own

Wollte ich all das Großartige, Witzige und Interessante, das ich hier erlebe, wiedergeben, dann müsste ich wohl jeden Tag einen dreiseitigen Eintrag verfassen. Ich versuche hier, mich auf das Wesentlichste zu beschränken. Es ist trotzdem viel zu lesen. Seid also vorgewarnt!



Mit Tina, einer Molekularmedizinstudentin aus Göttingen habe ich am ersten Septemberwochenende weiter die Sehenswürdigkeiten und Stadtteile abgegrast: Soho, Little Italy, Chinatown, Financial District, Ground Zero, Broadway South, Brooklyn Bridge, Governor’s Island und am Labor Day in den Prospect Park/Brooklyn, wo wir uns die Parade zum American West Indies Day angeschaut haben. Laut, bunt und in den Jamaica-Ecken roch es verdächtig nach Gras. Am Montagabend gab es dann das Kontrastprogramm zu überlauter Salsa- und Technomusik: eine Aufzeichnung von Madame Butterfly vor der Metropolitan Opera. Man saß auf dem Boden oder Klappstühlchen, genoss die „frische“ Luft zu den Klängen von Pucchini und litt mit der armen Geisha, die ihr Herz an den untreuen US-Offizier verloren hatte. Wie leider so oft bei Opern, war die Heldin alles andere als ein zierliches Mädchen und auch der schmucke Officer hätte 20 Jahre jünger sein können. Aber was solls – gesungen haben sie schön.

New York ist verhängnisvoll. Das musste ich schon in meiner ersten Woche feststellen. Ich habe jetzt eine Liste von all den Geschäften angefertigt, die ich im Laufe der Zeit aufsuchen will, um Kleidung/Schuhe/Accessoires käuflich zu erwerben. Urban Outfitters und DSW sind schon abgehakt, aber einiges steht mir noch bevor. Dank Finanzkrise gibt es hier einen Dauersale, was für mich bedeutet: Augen zu und schnell weitergehen.

Am 10. September war ich nach der Arbeit mit einer UN-Praktikantin unterwegs. Dass wir auf einer Wellenlänge liegen merkten wir schnell, als wir beide vor derm Palace Hotel „Gossip Girl“ schrien. Dann bestaunten wir auf unserem Weg noch die Models im Schaufenster einer Kosmetikkette (huihuihuihuihui – der war mal schnuckelig, wir haben uns zuerst nicht getraut ein Foto zu machen, aber dann musste das doch einfach sein), sahen uns in St. Patricks um, einer Kirche, die so gar nicht zwischen all die Skyscraper zu passten scheint und machten uns auf zu einem UN-Intern-Essen in Little Korea. Versteckt im dritten Stock endeten wir in einem superstylischen koreanischen Restaurant und tranken Apple-Martinis mit den anderen Praktikanten aus der ganzen Welt.

Restaurants, Bars, Cafés – davon hat die Stadt wahrlich reichlich. In jedem Block gibt es mindestens einen Starbucks, außer vielleicht hier in der Lower East Side oder dem East Village, weil hier alles so understatementmäßig-alternativ-stylisch–cool ist. Dunkin Donuts und Baskin&Robbins sind auch nicht weit und die Supermärkte laden auch dazu ein, stundenlang durch die Regale zu bummeln. Wenn man aber ganz einfach nur Milch haben will (1,5% Fett), dann steht man ganz schön dumm vor dem Regal mit 50 verschiedenen Sorten: fat free, low fat, soy, lactose free, etc und findet einfach nicht das, was man sucht…

Gestern, 18. September, war ich im MOMA – Museum of Modern Art – da auch in New York die Museen ab und zu Sonderkonditionen anbieten. Da der Eintritt gratis war, wickelte sich die Schlange um drei Blocks, ich war aber trotzdem erstaunlich schnell in den heiligen Hallen der Kunst von 1890-heute. Drinnen kam ich mir vor, als würde ich das Kunstlehrbuch der 11. Klasse durchwandern. Sprachlos stand ich vor der Sternennacht, Picassos Stillleben, Warhols Marylin Monroe, die Comics von Lichtenstein, Miró, den Uhren von Dalí, Kandinsky, das wilde Rumgekleckse von Pollock, Piet Mondrian, Magritte, Matisse, Chagall, Otto Dix, Kirchner und Seurat. Bei den Werken unseres Heimatkünstlers Joseph Beuys musste ich allerdings wieder mal passen: ich kann einem Metallblock auf dem Boden oder einem aufgehängten Anzug einfach nichts abgewinnen…das überlasse ich dann lieber den Leuten, die mehr Freude am Interpretieren als am Betrachten haben. Ganz besonders begeistert war ich von den Monets Riesengemälden im gesonderten Raum. Da wurden Kindheitserinnerungen an „Linnea im Garten des Malers“ wach. Wer will, dass seine Kinder später irgendwann mal was für Impressionismus übrig haben, dem kann ich dieses tolle Kinderbuch ans Herz legen. Und dann tatsächlich vor den Bildern zu sitzen, ist schon ein bewgender Augenblick, denn sie sind wirklich wunderschön.

In meinem Praktikum läuft alles wunderbar. Alle sind nett, daher fühle ich mich sehr wohl, ich sitze in meinem eigenen Büro, helfe wo ich kann und fühle mich ganz wichtig, wenn ich mit meinem Namensschildchen durchs German House laufe.

Die letzen 3 Wochen war das Wetter noch sehr sommerlich und teilweise richtig heiß. Was die New Yorker allerdings nicht können ist Klimaanlagen einstellen. Im Bus zieht es wie Hechtsuppe (it pulls like fish soup) und draußen schwitzt man. Jetzt wird es langsam frischer und ich muss auch mal mein Jäckchen überziehen. Naja, immerhin kann ich dann bald meine neuen Stiefeletten eintragen.

Mittwoch, 2. September 2009

first impressions

Nachdem ich das Angebot des freundlichen Zollbeamten am Düsseldorfer Flughafen doch mit ihm zu tauschen abgelehnt hatte (obwohl er mir sogar seine Mütze anbot), bin ich gut in Newark angekommen. Und ins Land durfte ich auch. Wohoo - ich bin drin. Dann auf zum Hostel, wo ich von einem netten Kölner Physikstudenten empfangen wurde: "Dormagen, das ist doch bei Köln, oder?" Die Welt ist ein Dorf. Bei der Erkundung der näheren Umgebung der 14th Street war das erste Geschäft, das ich betrat, bezeichnenderweise - wer hätte das gedacht - ein Schuhladen am Union Square.
Durch den Jetlag um 6.00 a.m. topfit, machte ich mich früh auf, meine Wohnung zu finden (obwohl ich nicht gleich einziehen konnte) und von dort aus zur UN zu laufen. Leider musste ich dabei feststellen, dass ich im gehen-und-gleichzeitig-trinken noch nicht so sicher bin wie die New Yorker. Prompt habe ich mich mit meinem Smoothi schön bekleckert. Aber man fühlt sich trotzdem gleich total cool und stylisch und newyorkerisch, wenn man so durch die Straßen eilt mit einem Erdbeer/Banane/Kokos/Ananas-irgendwas in der Hand.
Danach bin ich noch durch die Streets und Avenues gewandert, am Chrysler-Building vorbei, zur Grand Central Station (in der ich allerdings den food court nochmal näher erkunden muss) und dann zum Empire State Building. Leider hatte ich meine Uniform nicht an, denn sonst wär ich umsonst reingekommen...Oben angekommen wird einem beim Blick zur Antenne richtig schwindelig und man meint, das ganze Gebäude müsse jeden Augenblick schwankend darniedergehen. Schön ist es, wenn man allein unterwegs ist, das man die Muße hat all die anderen Touris zu beobachten: unschwer zu erkennen die Deutschen mit Rucksack, Kamera, guten Laufschuhen und manchmal sogar mit Bauchtasche, die dann über die Lage der Gebäude diskutieren und wo denn nun was ist, anstatt sich einfach des Blickes zu erfreuen. Mich ja eingeschlossen - allerdings ohne Bauchtasche oder Rucksack. Die Amis sind an ihrem leichten Übergewicht zu erkennen, den Sonnenbrillen mit Umhängeband und den Safarihüten. Die sind einfach nur laut. Dann gab es noch einige Italiener in schicken Sommersandälchen, die aus jeder - aber auch wirklich jeder Perspektive ein Foto schießen mussten.
Abends bin ich völlig erledigt und mit müden Füßen ins Bett gefallen, nur um in der Nacht vom lauten Geschnarche eines Zimmergenossen aufzuwachen - argh.
Gestern, Montag, habe ich mich mit zwei Mädels aus dem Hostel aufgemacht nach uptown. Durch den Central Park ab nach Harlem, wo wir dem lonely planet-Spaziergang gefolgt sind. Dieser führte uns zum Apollo-Theater (Michael Jackson T-Shirts, Michael Jackson -Bilder, Michael Jackson-Tassen,...), in einen netten Park, und dann am YMCA vorbei zum Broadway. Und auf dem Weg natürlich Kirchen: Methodist, New Apostolian, Episcopalian, Baptist, und so weiter und so fort - in jedem Block mindestens 2.
Ich habe das Gefühl, mich schon ganz gut zurechtzufinden, was natürlich nur Einbildung ist , aber ich glaube zumindest zu wissen, wie das subway-Netz funktioniert und dank Pocket-Pilot (Super! Dankedanke, Andrea) kann ich immer unauffällig einen Blick auf die Karte werfen, um mich nicht doch zu verlaufen. Irgendwie fühlt man sich hier gleich heimisch, auch wenn Dormagen und NY absolut nichts gemein haben, nimmt einen die Stadt in ihrer Anonymität und Hektik auf und man lässt sich von den Mengen treiben, schaut in Schaufenster, trinkt eine Shaken Ice Tea Lemonade bei Starbucks oder setzt sich ganz einfach in einen Park. So wirklich 'fremd' kommt einem das nicht vor.
Gestern abend bin ich dann umgezogen. Im yellow cab ab zur Wohnung meiner österreichischen Vermieterin. Mein Zimmer ist klein aber fein und die 350 TV-Kanäle werde ich gleich mal auf ihre Tauglichkeit prüfen, denn heute nach dem ersten Arbeitstag bin ich erstmal kaputt. Die Kollegen sind nett, die Atmosphäre sehr angenehm und was meinen Aufgabenbereich angeht - das wird man sehen. Der Ausblick aus meinem Fenster jedenfalls ist einmalig :-)

Freitag, 28. August 2009

Goodbye Deutschland

Morgen geht es los. Um 12.00 Uhr geht mein Flieger. Wie immer verlasse ich mein Elternhaus mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Es war mal wieder richtig schön in der rheinischen Heimat Freunde wiederzusehen und die elterliche Fürsorge zu genießen, aber natürlich freue ich mich auf neue Abenteuer und Herausforderungen. Also, wenn ihr wissen wollt, wie es mir so ergeht, dann schaut doch ab und zu mal rein :-)