Samstag, 19. September 2009

Making the city my own

Wollte ich all das Großartige, Witzige und Interessante, das ich hier erlebe, wiedergeben, dann müsste ich wohl jeden Tag einen dreiseitigen Eintrag verfassen. Ich versuche hier, mich auf das Wesentlichste zu beschränken. Es ist trotzdem viel zu lesen. Seid also vorgewarnt!



Mit Tina, einer Molekularmedizinstudentin aus Göttingen habe ich am ersten Septemberwochenende weiter die Sehenswürdigkeiten und Stadtteile abgegrast: Soho, Little Italy, Chinatown, Financial District, Ground Zero, Broadway South, Brooklyn Bridge, Governor’s Island und am Labor Day in den Prospect Park/Brooklyn, wo wir uns die Parade zum American West Indies Day angeschaut haben. Laut, bunt und in den Jamaica-Ecken roch es verdächtig nach Gras. Am Montagabend gab es dann das Kontrastprogramm zu überlauter Salsa- und Technomusik: eine Aufzeichnung von Madame Butterfly vor der Metropolitan Opera. Man saß auf dem Boden oder Klappstühlchen, genoss die „frische“ Luft zu den Klängen von Pucchini und litt mit der armen Geisha, die ihr Herz an den untreuen US-Offizier verloren hatte. Wie leider so oft bei Opern, war die Heldin alles andere als ein zierliches Mädchen und auch der schmucke Officer hätte 20 Jahre jünger sein können. Aber was solls – gesungen haben sie schön.

New York ist verhängnisvoll. Das musste ich schon in meiner ersten Woche feststellen. Ich habe jetzt eine Liste von all den Geschäften angefertigt, die ich im Laufe der Zeit aufsuchen will, um Kleidung/Schuhe/Accessoires käuflich zu erwerben. Urban Outfitters und DSW sind schon abgehakt, aber einiges steht mir noch bevor. Dank Finanzkrise gibt es hier einen Dauersale, was für mich bedeutet: Augen zu und schnell weitergehen.

Am 10. September war ich nach der Arbeit mit einer UN-Praktikantin unterwegs. Dass wir auf einer Wellenlänge liegen merkten wir schnell, als wir beide vor derm Palace Hotel „Gossip Girl“ schrien. Dann bestaunten wir auf unserem Weg noch die Models im Schaufenster einer Kosmetikkette (huihuihuihuihui – der war mal schnuckelig, wir haben uns zuerst nicht getraut ein Foto zu machen, aber dann musste das doch einfach sein), sahen uns in St. Patricks um, einer Kirche, die so gar nicht zwischen all die Skyscraper zu passten scheint und machten uns auf zu einem UN-Intern-Essen in Little Korea. Versteckt im dritten Stock endeten wir in einem superstylischen koreanischen Restaurant und tranken Apple-Martinis mit den anderen Praktikanten aus der ganzen Welt.

Restaurants, Bars, Cafés – davon hat die Stadt wahrlich reichlich. In jedem Block gibt es mindestens einen Starbucks, außer vielleicht hier in der Lower East Side oder dem East Village, weil hier alles so understatementmäßig-alternativ-stylisch–cool ist. Dunkin Donuts und Baskin&Robbins sind auch nicht weit und die Supermärkte laden auch dazu ein, stundenlang durch die Regale zu bummeln. Wenn man aber ganz einfach nur Milch haben will (1,5% Fett), dann steht man ganz schön dumm vor dem Regal mit 50 verschiedenen Sorten: fat free, low fat, soy, lactose free, etc und findet einfach nicht das, was man sucht…

Gestern, 18. September, war ich im MOMA – Museum of Modern Art – da auch in New York die Museen ab und zu Sonderkonditionen anbieten. Da der Eintritt gratis war, wickelte sich die Schlange um drei Blocks, ich war aber trotzdem erstaunlich schnell in den heiligen Hallen der Kunst von 1890-heute. Drinnen kam ich mir vor, als würde ich das Kunstlehrbuch der 11. Klasse durchwandern. Sprachlos stand ich vor der Sternennacht, Picassos Stillleben, Warhols Marylin Monroe, die Comics von Lichtenstein, Miró, den Uhren von Dalí, Kandinsky, das wilde Rumgekleckse von Pollock, Piet Mondrian, Magritte, Matisse, Chagall, Otto Dix, Kirchner und Seurat. Bei den Werken unseres Heimatkünstlers Joseph Beuys musste ich allerdings wieder mal passen: ich kann einem Metallblock auf dem Boden oder einem aufgehängten Anzug einfach nichts abgewinnen…das überlasse ich dann lieber den Leuten, die mehr Freude am Interpretieren als am Betrachten haben. Ganz besonders begeistert war ich von den Monets Riesengemälden im gesonderten Raum. Da wurden Kindheitserinnerungen an „Linnea im Garten des Malers“ wach. Wer will, dass seine Kinder später irgendwann mal was für Impressionismus übrig haben, dem kann ich dieses tolle Kinderbuch ans Herz legen. Und dann tatsächlich vor den Bildern zu sitzen, ist schon ein bewgender Augenblick, denn sie sind wirklich wunderschön.

In meinem Praktikum läuft alles wunderbar. Alle sind nett, daher fühle ich mich sehr wohl, ich sitze in meinem eigenen Büro, helfe wo ich kann und fühle mich ganz wichtig, wenn ich mit meinem Namensschildchen durchs German House laufe.

Die letzen 3 Wochen war das Wetter noch sehr sommerlich und teilweise richtig heiß. Was die New Yorker allerdings nicht können ist Klimaanlagen einstellen. Im Bus zieht es wie Hechtsuppe (it pulls like fish soup) und draußen schwitzt man. Jetzt wird es langsam frischer und ich muss auch mal mein Jäckchen überziehen. Naja, immerhin kann ich dann bald meine neuen Stiefeletten eintragen.

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